Anzeigen

Seiten-Navigation


Ansicht: Druck
Seite: Weiterempfehlen

Ausflug ins Mittelalter

Zwei Offene Ganztagsschulen aus Aachen berichten über ihren Ferienausflug zur Ehrenburg.

„Wo fahren wir denn diesen Sommer hin?“ „Das ist eine Überraschung, da wird nichts verraten!“ „Ach manno, wenigstens einen kleinen Tipp!“ - „Überraschung ist Überraschung!“

So und ähnlich klangen viele von Neugier geprägte Wortwechsel in der Offenen Ganztagsschule Reumontstraße und Beeckstraße zwischen Kindern und Pädagoginnen seit Mai diesen Jahres. Die Kinder wussten nur, dass ein größerer Ausflug ansteht, nicht aber, wohin die Reise geht. Dass es gleich eine andere Zeit sein würde, erriet keiner.

Am Dienstag, dem 20. Juli war es dann so weit. Früh um 7 Uhr starteten 66 Kinder aus zwei OGS-Gruppen des Pädagogischen Zentrums Aachen in Doppeldecker- und Mini-Bus zur Ehrenburg bei Koblenz. Auf die 850 Jahre alte Moselburg fiel die Wahl der Pädagoginnen, da vor Ort ein interaktives Mittelalterprogramm mit Spiel, Essen aus stilechtem Tongeschirr und altem Handwerk zum Mitmachen kleine Besucher spielerisch in die Historie einweiht.

Das Motto der Ferienspiele der OGS Reumontstraße lautete dieses Jahr „Auf den Spuren des Handwerks“. Der Burgausflug fügte sich: der Aufbruch zur „Zeitenreise“ wurde ein Erfolg. Nach zweistündiger Fahrt ließ die mittelalterliche Figur „Gottfried von Pomeranz“ die erwartungsvoll blickenden Ferienkinder erst einmal nicht durchs Burgtor hinein! Zuvor musste das Losungswort gefunden und dem Torwächter Walther, der durch die Torluke äugte, mitgeteilt werden. „Gänseblümchen“ schallte es nach einigen Minuten aus den Mündern rätselnder Kinder. Einlass war gewährt. Weiter ging es ähnlich kinderfreundlich: Jeder Besucher - auch die „Gereiften“ - bekamen einen Spielmannsnamen wie Angelo Apfelkern oder Laura Binsenkraut. Lautstark bekundeten die kindlichen Gäste ihr Vergnügen. Motiviert machte man sich an fünf Stationen ans Werk: Ob beim Bogenschießen, beim Backen am mittelalterlichen Bakkes mit Holzbefeuerung, beim Katapultschießen, auf Burgführung, beim Töpfern oder beim authentischen Kinderspiel - die Gruppe zeigte sich gebannt von der einnehmenden Art der Akteure. Das Burgteam motivierte die Kinder gleich bei der Begrüßung mit der Ankündigung, dass sie gleich an einem Turnier, einem alten Wettkampf teilnehmen würden, der auf der ganzen Burg ausgetragen werden würde.


Am Bakkes konnte man die Kleinen später ihr selbst hergestelltes Fladenbrot knabbern sehen. Zuvor beim Zermörsern des im Mittelalter wertvollen Gutes Salz erfuhren die Teilnehmer vieles über damalige Getreidesorten und konnten schließlich noch ihre Rechenkünste unter Beweis stellen, als es darum ging, den großen Teigklumpen für alle gerecht aufzuteilen.

Auch der Bogenschütze hielt mit seinem Spezialwissen nicht hinter dem Berg und informierte darüber, welche Arten von Bögen die mittelalterlichen Adligen gebraucht haben und dass jeder Bogen auf eine bestimmte Schusslänge ausgerichtet war. Die in Teams eingeteilten Kinder kämpften geschlossen und mit „ritterlichem Benehmen“ - wie es von Gottfried von Pomeranz gefordert wurde - an jeder Station um die Punkte für ihre „Turniergesellschaft“. Auf der Burgerkundung, dem Herzstück der „Zeitenreise“, wanderten die Zuhörenden im wahrsten Sinn des Wortes durch die Zeiten. Nicht nur der mittelalterliche Burgherr mit seinem adligen Fräulein Agnes weilte dort, sondern beispielsweise auch französische Soldaten im 17. Jahrhundert. Im Rollenspiel ließ Kind die Jahrhunderte an sich vorüberziehen, denn Friedrich und Agnes wurden durch Hutverkleidung und kleines Spiel in die alte Burgherrschaft verwandelt und geleiteten ihre Gäste durch die verwinkelte Burganlage. Viel Geschichte und ein wenig Romantik brachte auch so manche Pädagogin zum Schmunzeln. Den Höhepunkt - richtet man sich nach den Begeisterungsstürmen der Kinder - stellte allerdings das Katapultschießen dar. Einen triefend nassen Schwamm musste jede Turniergesellschaft in der 35 Grad heißen Sommerhitze aus dem Fluge fangen. Die gegnerische Seite löste jeweils die originalgetreue Replik einer mittelalterlichen Blide aus. Bei der abschließenden Siegerehrung mit Gewinnen gab es für jedes Kind einen kleinen Halbedelstein aus dem „Schatz der Ehrenburg“. Nach fünf ereignisreichen Stunden machte man sich auf den Heimweg gen Aachen. Dort werden die nächsten Tage weiterhin ganz im Zeichen des alten Handwerks stehen. Schwerter basteln, Töpfern, Fotos in Kostümen nachstellen und vieles mehr sollen an den großen Ausflug auf die Ehrenburg bei Koblenz erinnern.

Infos: Die „Zeitenreise“ der Ehrenburg für Schulklassen und Ferienfreizeiten ist nach Voranmeldung ganzjährig zu erleben.An jedem Sonn- und Feiertag zwischen Ostern und Allerheiligen von 11 bis 18 Uhr gibt es die oben beschriebenen Aktivitäten für ein öffentliches Publikum. In den beiden Ferienmonaten Juli und August bietet die Veranstaltungsreihe „Ehrenburger Sommer“ wechselnde Musikensembles und eine interaktive Schatzsuche mit Schaukampf. Die Burg liegt 90 Autobahn-Minuten von Aachen entfernt. www.ehrenburg.de, Tel. 02605 3077


« Aktuelles für Kinder und Familien in Aachen und um die Ecke
KingKalli 51 April/Mai 2012

64 Seiten prall gefüllt mit Hasen, Gärten, Rittern, Terminen, Kursen, Tipps ...

Erscheinungstermin:
01.04.2012
Auflage:
22.000

Archiv