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Heiligabend: Wie getrennte Familien Weihnachten feiern – Interview mit Familientherapeut Rolf Schäfer

Heiligabend ist das Fest der Familie und damit ein emotional hoch besetzter Termin. Wie erleben und verbringen Familien diesen Termin, wenn die Eltern sich getrennt haben?

Birgit Franchy sprach mit dem Leiter der Evangelischen Beratungsstelle, Dipl.-Psychologe und Familientherapeut Rolf Schäfer.

Herr Schäfer, kommen in der Weihnachtszeit vermehrt (getrennte) Eltern in die Beratungsstelle?

Rolf Schäfer:

Überall wo Umgänge schwierig sind, kommen die Paare. Ab September kommt die Frage nach Weihnachten auf. Immer ist Heiligabend der Knackpunkt: Der erste und zweite Weihnachtstag sind nicht das Problem. Diese können ja aufgeteilt werden. Aber bei Heiligabend geht es immer darum: Wer geht zur Kirche, wer macht die Bescherung. Wer darf wann welche Geschenke überreichen. Dann geht es los mit „Ich will auch ...“. Diese Dinge sind emotional hoch besetzt.

Werden die Eltern gemeinsam beraten oder einzeln?

Rolf Schäfer:

Die Paare werden gemeinsam beraten.

Und darauf lassen sich die Paare ein?

Rolf Schäfer:

Ja, sie lassen sich darauf ein.

Eine Mutter sagte mir, sie habe vom Anwalt gehört der Heiligabend stehe den Müttern zu. Gibt es ein solches Gesetz?

Rolf Schäfer (lacht):

Nein. So ein „Heiligabend-Gesetz“ gibt es nicht. Aber tatsächlich wollen die meisten Mütter diesen Tag für sich beanspruchen. Sie haben aber nicht „das Recht“ dazu. Die Eltern können das individuell regeln und müssen es auch.

Können Sie etwas raten?

Rolf Schäfer:

Nein, ich rate nichts. Ich schaue mit den Eltern, was möglich ist. Können sie den Heiligabend über zwei Jahre teilen? Kann einer auf diesen Abend verzichten? Ist möglicherweise der erste oder zweite Weihnachtstag mit Großeltern wichtiger? Können beide Eltern gemeinsam die Kinder bescheren? – Alles ist erlaubt. Und alles ist möglich. Es gibt keine Norm und kein Gesetz.

Was ist für die Kinder das Beste?

Rolf Schäfer:

Ich bitte die Eltern auch durch die Augen der Kinder zu schauen. Was wünschen sie sich? Wie finden die Kinder das? 

Und was wünschen sich Kinder? Finden sie nicht alles o.k., was die Eltern o.k. finden?

Rolf Schäfer:

Kinder wünschen sich ein schönes, friedliches Fest. Keine Schauspieler. Kinder finden das o.k., was die Eltern o.k. finden, wenn diese auch emotional dahinter stehen.

Vielen Dank für das Gespräch!


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